Interview mit Chorleiter Frank Schaab

Frank Schaab im Interview mit Regine Benesch

Nach einer Durststrecke von 9 Monaten ohne Chorleiter fügte es sich im Oktober 2008 zu unserem Glück, dass uns Frank als potentieller Chorleiter empfohlen wurde und die Chemie zwischen uns sofort stimmte. Eine Bilanz:

                               

Meine erste Frage an dich lautet: 10 Jahre Chorleitung bei Good News, was macht das mit dir?

„Das ist eine sehr gute Frage. Der Chor ist mir im Laufe der 10 Jahre sehr ans Herz gewachsen, und ich kann behaupten, ich habe - wie irgendwie auch bei jedem Chor, aber bei euch in speziellem Maße - viel gelernt. Denn ihr seid für mich der erste Chor gewesen, der sich sowohl inhaltlich als auch stilistisch spezialisiert hat: Ihr wollt die frohe Botschaft vermitteln und als Schwerpunkt Gospelmusik machen. Das hat mich beflügelt, euch noch etwas links und rechts neben dieser Musik zu zeigen und eben genau auf euch zugeschnittene Musik zu finden. Das ist gar nicht so leicht und immer wieder herausfordernd. Damit verbunden habe ich immer wieder neue Recherchemöglichkeiten suchen müssen und dadurch viel gelernt.

Emotional hat mich in den 10 Jahren auch immer wieder neu bewegt und beeindruckt, wie der Chor, getragen in der Gemeinschaft, dieses Überbringen der frohen Botschaft umsetzt und sich dabei so gut aufgehoben und geborgen fühlt. Mein Grundnaturell als Musiker gebietet es mir, Chören so viel Verschiedenes wie möglich beizubringen und zu zeigen, und auch ganz unterschiedliche Programme zu machen. Bei euch habe ich gelernt, dass das gar keine Grundvoraussetzung ist, sondern dass man auch anders vielseitig miteinander sein kann, eben mit einer anderen Grundeinstellung des Zusammen-Singen-Wollens.“

Gibt es ein Konzert, einen Auftritt oder ein Event, das dir jetzt ganz besonders in Erinnerung geblieben ist?

„Ja, da möchte ich zwei Auftritte nennen:

Ich erinnere mich an das Konzert 2010 relativ am Anfang unserer Zusammenarbeit, als wir so üppige Stücke wie diese Gospelbearbeitung von Händels Hallelujah das erste Mal aufgeführt haben. Da hab ich schon gemerkt, wie wir uns gemeinschaftlich hochkochen und gegenseitig beflügeln. Bei dem Konzert habe ich deutlich gespürt, der Chor will was erreichen und freut sich auch daran, angefeuert zu werden, inhaltlich und qualitativ voranzukommen. So habe ich mich schnell mit euch verbunden gefühlt. Das war eine gute Zeit des Zusammenwachsens.

Weil wir ja nun sowohl Jubeljahr als auch ein wenig Trauerjahr haben, erinnere ich mich auch sehr gerne an unsere Konzerttour nach Schmalkalden (Thüringen), wo wir ja unseren Detti als Mann aus unserer Mitte besucht haben, der die Konzerte dort organisiert hat. In besonderer Erinnerung ist mir das Konzert in der Kirche in Schmalkalden geblieben. Detti ist ja immer ein phantastischer Begleiter gewesen, aber da hat er uns besonders inspiriert begleitet. Da entstand eine besonders schöne Kommunikation und ein besonders intensives Miteinander. Detti konnte dort ja auf diesem guten Flügel spielen und zeigen, was an Feinfühligkeit in seinen großen „Pranken“ steckte. Das war auf dem Flügel noch ein kleines bisschen toller zu hören als auf unserem guten Roland-Keyboard.“

Welches Stück aus unserem Repertoire magst du denn besonders gern und warum?

„Da muss ich kurz grübeln. Ob ich jetzt eins…? Also all das aufzuzählen, was ich besonders gern mit euch singe, sprengt auf jeden Fall den Rahmen dieser Festschrift! Aber ich versuche mal etwas herauszugreifen. Ich mag sehr unsere lateinamerikanische Version von „Go Down, Moses“, weil da die überraschendsten Dinge zusammenkommen: ein ganz alter Spiritual und beinahe Santana-artige Elemente. Das ist ein besonders freudebringender Satz, und ihr habt den auch immer höchst hervorragend gesungen!“

Ist auch mein Lieblingsstück.

„Wenn ich noch ein langsames Stück nennen darf, dann liebe ich auch sehr die langsame Bearbeitung „Study War No More“. Die Vorlage „Down by the Riverside“ ist ja eigentlich ein schneller Spiritual. Aber diese langsame balladenhafte Fassung ist mir Dank eures Gesangs wirklich sehr ans Herz gewachsen. Das ist ein kleines Stück, aber es steckt unglaublich viel drin, man kann sehr differenziert musizieren und auch die Herzen auf mehrere Weisen anregen. Das mag ich!“

Du hast diese Stücke für uns ja auch alle ausgesucht. Deswegen sind die auch so gut.                                                                                       

(Lacht) Das war nicht als Eigenlob gemeint! Ich freue mich, wenn ich Stücke finde, die bei euch einen Nerv treffen. Wenn ich merke, dass Stück und Chor einfach toll zusammenpassen.“

                                                     

Wie schaffst du es, in Situationen, in denen du uns wegen Undiszipliniertheit eigentlich zum Mond schießen müsstest, freundlich zu bleiben?

„Okay, ich entnehme dem, dass du das bis jetzt alles als überwiegend freundlich annimmst. Da freue ich mich!

Natürlich brodelt es auch mal in einem, das ist ja auch normal. Wo Menschen zusammenkommen, ist auch mal was los im Gebälk. Meine Antwort ist, glaube ich, eine Kombination aus zwei Aspekten.

Zum einen suche ich mir schon bedacht die Ensembles aus, mit denen ich zusammenwirken will. Da gibt’s am Anfang ganz viel Bauchgefühl, das darüber entscheidet und mir schnell sagt, ‚ach guck mal, mit denen willst du zusammenarbeiten, das kann menschlich passen!‘. Ich hab auch schon mal ‚Nein danke und herzlichen Dank für die Einladung‘ gesagt, weil ich das Gefühl hatte, das es in der Zusammenarbeit schwierig werden könnte. Mit euch macht es einfach grundsätzlich viel, viel Spaß!

Zum anderen empfinde ich das Glück, einen wirklich ausfüllenden Beruf zu haben. Es kommt so gut wie nie vor - und unter uns, es dürfte ja auch mal sein -, dass ich mal irgendwo hinfahre und denke, ‚ach, jetzt musst du ´ne Probe halten‘. Ich mache meine Arbeit einfach total gerne, und ich habe mit der Musik so einen schönen Inhalt, mit dem ich mich beschäftigen kann. Das sorgt für eine grundsätzliche Entspannung. Dass ich mit euch zusammenarbeite, ist eine Grundfreude, und dass ich mit euch Musik mache, ist noch eine Extraportion Freude. Das wiegt offensichtlich wesentlich schwerer als manche Situation, wo man unter anderen Umständen auch mal dem Chor sagen würde: Menschenskinder, jetzt ist aber mal hier zappenduster!“

Ja und du würdest das immer noch mit einem Lächeln sagen.

„Also, in meiner eigenen Wahrnehmung ist das nicht immer so. Du hast es jetzt schon sehr nett dargestellt!“

Nein, es ist so. Im Gegenzug: Wann zaubert dir die Probe ein Lächeln ins Herz?

„Ich grinse viel, im Leben und bei euch im Besonderen. Wenn ich zum Beispiel mal ein Stück mitbringe und vorher schon weiß, das dauert jetzt ein bisschen, bis es ‚Klick‘ macht beim Chor. Es gibt Musik, da weiß man als Sänger/Sängerin sofort, wie die sich anfühlt und wie sie am Ende sein wird. Und dann gibt es auch Musik, da weiß man das nicht sofort. Es dauert dann es eine Zeit lang, bis man das Stück versteht und weiß, wie es sich anfühlt. Wenn dann aber dieser Moment gerade passiert - und das ist nicht selten ein Gruppenmoment – und man merkt, jetzt hat der Chor dieses eine Stück verstanden, und es geht dann ein Ruck durch den Chor, dann lächle ich nicht nur äußerlich breit, wie immer, sondern auch innerlich.“

Eine letzte Frage: Was sind deine Wünsche, deine Zukunftsvisionen für uns?

„Diese Frage weckt in mir zuerst eine Portion Demut: Wir sind jetzt schon 10 Jahre miteinander liiert, und gelegentlich denke ich: ‚Mannomann, dass die sich immer noch jede Woche so ´ne Probe von mir geben wollen! Irgendwann wiederholen sich die Sprüche ja dann auch!‘. Das finde ich beeindruckend, und ich wünsche mir, dass wir immer wieder gemeinsam einen Dreh finden, wie wir die Freude aneinander behalten. Weil es eben so einen großen Spaß mit euch macht. Das war jetzt das Persönliche!

Als zweites ganz Praktisches wünsche ich mir für uns, dass ich auch weiterhin neue coole Stücke für euch finde. Wenn man nämlich mal 10 Jahre miteinander in einem Stil musiziert hat, ist das gar nicht mehr so einfach. Ich hoffe, dass wir immer wieder ein paar schöne Kracherstücke miteinander finden, die uns Spaß machen. Ansonsten wünsche ich mir natürlich, dass alle so bewegt bleiben beim Singen, wie sie es jetzt sind. Wenn uns das gemeinsam gelingt, dann kommt da auch in Zukunft gehaltvolle und herzenswarme Musik bei raus.“

Vielen Dank für dieses Interview und deine Arbeit mit uns!